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Borderline-Persönlichkeitsstörung


Die Borderline-Persönlichkeit ist nach dem Diagnoseschema ICD-10 durch eine „instabile, schwere Störung der charakterlichen Konstitution und des Verhaltens, die mehrere Bereiche der Persönlichkeit betreffen" gekennzeichnet. Der Psychiater C. H. Hughes prägte den Begriff „Borderline" 1884 und bezeichnete damit jene Grenzfälle der Psychiatrie, die schwer zu diagnostizieren waren und somit „on the border" der existierenden Diagnosekriterien lagen.

Je nach Dauer und Schwere der Störung unterscheidet man heute folgende Begriffe:

  • Borderline-Persönlichkeit: Der Begriff beschreibt die Persönlichkeit eines Individuums und bedeutet nicht notwendigerweise eine Krankheit oder Störung.
  • Borderline-Syndrom bezieht sich auf die typischen Symptome, die miteinander auftreten und ein „Syndrom" bilden.
  • Borderline-Zustand: Der Begriff beschreibt eine Krankheitsepisode, während der sich eine Borderline-Persönlichkeit entwickeln kann.

Borderliner haben Probleme, ihre Gefühle zu regulieren und neigen zu starken Stimmungsschwankungen - von großer Angst bis zu enormer Wut. Zudem haben sie Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen und verspüren häufig ein chronisches Gefühl der inneren Leere. Ein weiteres Merkmal ist die Neigung zu intensiven, aber unbeständigen Beziehungen.

Die Symptome beginnen häufig im frühen Erwachsenenalter. Eine stabile Phase erleben die meisten Betroffenen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Die Angaben über die Häufigkeit der Erkrankung variieren und liegen zwischen 0,2 und zwei Prozent der Bevölkerung. Rund ein Fünftel der stationären, psychiatrischen Patienten weist die Persönlichkeitsstörung auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Symptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Folgende Symptome lassen auf eine Borderline-Persönlichkeitsstörung schließen:

  • Neigung zu intensiven, aber unbeständigen Beziehungen
  • ausgeprägte Stimmungsschwankungen mit starken emotionalen Reaktionen (Wutausbrüche, depressive Stimmungen, Angst, usw.)
  • wiederholte Selbstverletzungen und Suizidversuche oder -drohungen
  • Fehlen eines klaren Selbstbildes bzw. Identitätsgefühls
  • chronisches Gefühl der Leere oder Langeweile
  • stressbedingte, vorübergehende Phasen der Paranoia mit dissoziativen Gefühlen (Gefühl des „Unwirklich-Seins" bzw. des „Losgelöst-Seins" vom eigenen Körper)
  • Tendenz zu Konflikten und Streitigkeiten
  • große Angst vor dem Verlassenwerden und Alleinsein
  • Neigung zu selbstschädigendem Verhalten (riskantes sexuelles Verhalten, Suchtkrankheiten wie Drogenmissbrauch, Essstörungen, Alkoholexzesse, usw.)

Die Symptome können in unterschiedlicher Ausprägung auftreten, wobei Betroffene nicht alle Krankheitszeichen aufweisen müssen. Man spricht erst dann von einer Borderline-Störung, wenn mehrere Symptome über längere Zeit vorhanden sind. Die Diagnose lässt sich nur in einem ausführlichen Gespräch mit dem Betroffenen sowie dessen Familie stellen.

Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung haben große Angst, verlassen zu werden, was bereits durch kleine Anlässe wie einen verspäteten Anruf oder ein abgesagtes Treffen ausgelöst werden kann. Daneben haben sie Schwierigkeiten mit dem Alleinsein. Dies führt häufig zu „Hilferufen" in Form von Selbstverletzungen oder Suiziddrohungen. Die Gefühle von Betroffenen schwanken stark. Gleichzeitig verspüren viele Borderliner ein andauerndes Gefühl der Leere oder Langeweile.

Die Beziehungen von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind wechselhaft, aber intensiv. So werden nahe stehende Personen in einem Moment idealisiert und im nächsten als bösartig erlebt. Auch die Sichtweise der eigenen Person, das Selbstbild, ist von starken Veränderungen geprägt. So fühlen sie sich in einem Moment liebenswert und im nächsten schlecht und sündhaft. Diese Instabilität kann auch auf die sexuelle Orientierung übergreifen: Betroffene schwanken häufig zwischen Homo- und Heterosexualität. Das impulsive Verhalten führt auch zu unkontrolliertem Konsum von Alkohol und/oder Drogen, zu Glücksspielerei, Fressanfällen und zu wiederholten emotionalen Krisen.

Die beschriebenen Symptome erschweren den Umgang mit anderen Menschen und die Anpassung an die Umwelt. Dies führt zu massiven Problemen und großem, seelischen Leid.

Ursachen der Störung

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung entsteht durch ein Zusammentreffen mehrerer Risikofaktoren wie ein angeborenes Temperament, eine familiäre Neigung zu psychischen Störungen, schwierige und traumatische Kindheitserfahrungen mit häufigen Verlusterlebnissen. Nicht selten waren die Betroffenen in der Kindheit Opfer von sexuellem Missbrauch oder körperlicher Gewalt. Viele Borderline-Patienten erlebten in den ersten Lebensjahren eine Trennungserfahrung (Scheidung der Eltern; Tod oder Krankheit eines Elternteils). In der Kindheit vieler Borderliner fehlte es an strukturierten und haltenden Beziehungen. Der „sichere Hafen" der Familie war bei vielen Betroffenen gleichzeitig auch mit Angst und Bedrohung behaftet.

Betroffene haben nie gelernt, dass eine Person „gut" und „böse" sein kann, dass sie gewissermaßen, gute, weniger gute, neutrale und böse Anteile hat und die Gesamtheit dieser Anteile für die Person kennzeichnend sind.

Zu den die Störung auslösenden Ereignissen zählen Situationen, die denen der Kindheit stark ähneln (drohendes Verlassenwerden, familiäre Konflikte, usw.) sowie starker Stress.

Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Therapie einer Borderline-Persönlichkeitsstörung muss individuell auf den Betroffenen zugeschnitten sein. Sie setzt sich aus unterschiedlichen Methoden zusammen:

Gute Erfolge hat die Psychotherapie erzielt, gelegentlich in Kombination mit einer medikamentösen Therapie gegen einzelne, stark ausgeprägte Symptome. Medikamente können die Beschwerden lediglich lindern und nicht heilen! Sie sollten nur über einen kurzen Zeitraum eingenommen werden. Eine stationäre Therapie ist nur in seltenen und besonders schweren Fällen notwendig. Beispielsweise dann, wenn eine Selbst- oder Fremdgefährdung besteht, schwere familiäre oder soziale Verhältnisse oder ein gleichzeitiges Suchtproblem vorliegen.

Die Therapie zielt darauf ab, dass die Betroffenen das eigene, impulsive Verhalten besser regulieren und ein angemessenes Sozialverhalten lernen, sich individuell entwickeln und mehr persönliche Freiheit genießen. Vorhandene Ängste sollen reduziert werden, während die Fähigkeit, stabile Beziehungen aufzubauen, erlernt wird.

Wesentlich zum Therapieerfolg trägt das Verhältnis zwischen Therapeut und Patient bei: Kann Stabilität und Vertrauen aufgebaut werden, stellt dies für den Betroffenen häufig die Basis für Veränderungen dar.

Für den positiven Verlauf der Erkrankung sind eine frühe Diagnose und ein baldiger Beginn der Therapie sowie Unterstützung von Seiten des Umfelds von großer Bedeutung.

Wie ist die Prognose?

Aussagen über den Verlauf der Borderline-Störung lassen sich schwer treffen, da bisher noch keine Langzeitstudien vorliegen. Die größte Instabilität haben Borderliner im jungen Erwachsenenalter. Ab 30 Jahren erreichen die meisten Betroffenen eine größere Stabilität.

 

Quelle: internet, UNIQA Gesundheitsportal

 

 

TRAUER


Aus aktuellem Anlass einen Freund der Familie betreffend habe ich mir viele Gedanken über Trauer und Trauerbewältigung gemacht. Wisst ihr, da wird ein Psychologe aufgesucht wegen diverser einzelner (durchaus gravierender) Verhaltensauffälligkeiten... diese werden nun "behandelt". Ich habe lange überlegt und denke: was der Psychologe da macht ist falsch. JA, ich erdreiste mich hier und stelle die Fachlichkeit und den Weg des Psychologen in Frage.

Zwängen, Depressionen, Antriebslosigkeit, Kaufsucht etc. etc. geht der Tod des Vaters und Selbstmord des besten Freundes voraus. Was bitte muss und kann ein Mensch ertragen und dabei normal bleiben???

Ich bin mir aufgrund der Schilderungen sicher, dass eine erfolgreiche Trauerbewältigung nie stattgefunden hat - und HIER sehe ich den Behandlungsansatz. Meiner Meinung nach sind die vorgenannten Auffälligkeiten maßgeblich in der gänzlich unbewältigten Trauer und einer daraus entstandenen Depression begründet.

 

Hier mal Lesenswertes zum Thema TRAUER:


Was ist Trauer?

Trauer ist einer der wichtigsten Lern- und Transformationsprozesse menschlichen Daseins. Dabei wird in der westlichen Welt mit Verlust und Trauer ganz anders umgegangen als in vielen anderen Gebieten der Erde. Das Leben besteht in der Realität aus einer Aneinanderreihung von kleinen oder größeren Trennungen, Abschieden und Verlusten. Das beginnt bereits mit der Geburt, dem Zurücklassen der Geborgenheit im Mutterleib, und begleitet uns durch alle Phasen des Kleinkindalters, der Kindheit, der Pubertät, des Erwachsenenalters bis hin zum Tod. Der Wechsel vom Kindergarten in die Schule, Schulabschlüsse, Übersiedlungen, neue Jobs, neue Partnerschaften – dies alles ist stets mit einem Zurücklassen, Verabschieden oder mit Verlusten verbunden. Menschen, die sehr auf materielle und immaterielle Sicherheiten fixiert sind, tun sich da besonders schwer.  Für sie kann selbst banales Entrümpeln von Keller oder Dachboden ein Problem darstellen. Loslassen ist nicht immer einfach, besonders auch für Menschen, die sich selbst über andere Personen definieren, beispielsweise in symbiotischen Partnerschaften.

Es gibt Menschen, die an Trennungen zu zerbrechen scheinen, da sie darauf fixiert sind, mit diesem einen Partner unter allen Umständen alt zu werden. Veränderung und Neubeginn erfordern viel Flexibilität und Mut, beinhalten ein gewisses Risiko und sind auch wirtschaftlich nicht immer sehr bequem.

Dabei wird übersehen, dass wir durch ständiges Verlieren, Loslassen, Verzichten, Trennen, Zurücklassen auch immer etwas dazu gewinnen: die Chance, durch viele kleine und große Veränderungen unser Wesen, unsere Persönlichkeit neu zu entdecken, zu entfalten und weiter zu entwickeln. Deshalb ist die Trauer eine der größten Entwicklungschancen menschlichen Daseins. Der Verlust eines z.B. geliebten Menschen zwingt den Hinterbliebenen, die eigene Stellung neu zu definieren – der Verstorbene hat eine Lücke in seinem Leben hinterlassen.

Die verschiedenen Phasen von Trauer

So unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich gehen sie mit Trauer um. Wichtig zu wissen ist, dass Trauer gelebt werden muss, damit der Hinterbliebene nicht in eine psychische oder physische Krankheit hinein- rutscht oder gar in eine schwere Depression. Nicht gelebte oder verschleppte Trauer wird fälschlicherweise oft bewundert und mit „tapfer“, „stark“, „diszipliniert“, „hart im Nehmen“ u. ä. von seinem Umfeld kommentiert. Tränen werden als Weichheit aufgefasst und nach dem Verlust lebt man so weiter, als wenn nichts passiert wäre.

Doch nichts ist trügerischer und gefährlicher als nicht gelebte Trauer.

Irgendwann kann die Verdrängung nicht mehr gehalten werden und schlägt mit ungebremster Wucht aus dem Unterbewusstsein zu. Zwischen den einzelnen Trauerphasen gibt es Sprünge, Wiederholungen oder längeres und kürzeres Verweilen in der jeweiligen Phase. Es gibt keine Idealzeit für die Trauerphasen. Wichtig ist, dass der Trauernde jemanden an seiner Seite hat, der ihn so annimmt, wie er ist. Ohne Wenn und Aber.

 

Nun zu den einzelnen Phasen der Trauer:

  1. Trauerphase: Nicht-Wahrhaben-Wollen

 Diese Trauerphase dauert im Allgemeinen einige Stunden bis zu etwa einer Woche, vor allem dann, wenn es sich um einen unvorhersehbaren Todesfall handelt. Nach außen kann sich das als Empfindungs- oder Gefühllosigkeit zeigen, aber in Wirklichkeit leidet der Mensch unter einem Gefühlsschock, er erstarrt unter einem für ihn zu starken Gefühl. Wichtig zu wissen ist, dass man dem Trauernden keinen Vorwurf machen darf, falls er keine Tränen zeigen kann. Diese Empfindungslosigkeit ist nicht nur ein Verdrängen der Hiobsbotschaft, sondern dient auch der Bewältigung eines zu starken Gefühls, mit dem nicht umgegangen werden kann. Manche Menschen flüchten dabei in eine übergroße Geschäftigkeit, andere wiederum projizieren ihre verdrängte Trauerarbeit auf andere Trauernde, indem sie sich um diese intensiv kümmern, anstatt die eigene Trauer zu leben. Andere wiederum sprechen von einer großen Leere, die durch nichts zu füllen sei.

Menschen, die in der ersten Phase stecken bleiben, wollen die Trauer überhaupt vermeiden. Trauernde, die in späteren Phasen stecken bleiben, finden aus der Trauer überhaupt nicht mehr heraus und trauern chronisch. Begleiter sollten sich in der ersten Trauerphase um alltägliche Besorgungen kümmern und dem Trauernden bei den Erledigungen im Zusammenhang mit der Beerdigung beistehen. Dabei ist Fingerspitzengefühl vonnöten.

Einerseits ist es wichtig, dem Trauernden so weit beizustehen, dass er sich nicht alleine gelassen fühlt, andererseits darf er sich nicht entmündigt oder in Beschlag genommen fühlen. Die optimale Balance zwischen Nähe  und Distanz sollte gewahrt werden.

Menschen, die von einer unheilbaren Krankheit ihres Angehörigen erfahren, durchleben die erste Trauerphase noch bei Lebzeiten des Kranken.

  1. Trauerphase: Zorn, Schuldgefühle

Die zweite Trauerphase ist häufig gekennzeichnet von Wut, Trauer, Zorn, Angst oder Schuldgefühlen, die häufig und unmittelbar Helfer und Begleiter treffen. Diese müssen aushalten können, dass sich der Trauernde in einem ständig wechselnden, emotionalen Chaos befindet. Massive Zornausbrüche zeigen sich eher beim Tod von Menschen, die entweder plötzlich und unvorhergesehen oder auch frühzeitig sterben.

Der Zorn des Trauernden richtet sich häufig gegen Ärzte, Pflegepersonal oder Verwandte, in anderen Fällen wiederum gegen den Menschen selbst, der sie verlassen hat. Insbesondere gegen Menschen, die durch Selbstmord aus dem Leben schieden.

Manche richten Zorn und Wut gegen sich selbst. Nämlich dann, wenn es ungeklärte Lebensumstände oder ungelöste Konflikte zum Zeitpunkt des Todes gab. Andere wiederum fühlen sich vielleicht schuldig, weil sie glauben, nicht alles unternommen zu haben, um den Tod des Verstorbenen zu verhindern.

In dieser Phase der Trauer können gewaltige Schuldgefühle aufbrechen.

Die Dauer und die Art der Trauer hängen wesentlich davon ab, ob ungelöste Konflikte zum Zeitpunkt des Todes zwischen dem Angehörigen und dem Verstorbenen bestanden. Je besser die Kommunikation war, wenn richtig Abschied genommen werden konnte und etwaige Probleme noch bereinigt oder besprochen wurden, sind die Schuldgefühle meist nicht so stark und die Trauerzeit dehnt sich nicht unbegrenzt aus.

Wenn allerdings Probleme oder einfach nur Gedanken vor dem Tod nicht geklärt oder besprochen werden konnten, kann es vorkommen, dass sich der Trauernde mit massiven Schuldgefühlen herumschlägt.

Als Begleiter muss man diese Schuldgefühle zur Kenntnis nehmen, so wie sie sind. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte aber unbedingt Hilfe zur Auflösung der Schuldgefühle in Anspruch genommen werden. Manchmal sind auch nachträgliche Verzeihens- oder Abschiedsrituale sinnvoll und erforderlich. Ja, und manche Hinterbliebene sind dankbar dafür, dass sie dem Verstorbenen überhaupt begegnet sind, mit ihm ein Stück durchs Leben gehen durften. Aber diese Sichtweise erfordert schon eine weiter entwickelte Persönlichkeit.

  1. Trauerphase: Letzte Suche

Das Aufsuchen von Plätzen, die mit Erinnerungen an den Verstorbenen verbunden sind, das Begehen gemeinsamer persönlicher Feiertage, innere Zwiegespräche oder tatsächliche Gespräche mit dem Toten sind typische Anzeichen der vorletzten Trauerphase. Manche Menschen identifizieren sich so stark mit dem Verstorbenen, dass sie ständig in der Wir-Form sprechen, sobald sie von sich selbst sprechen. Andere wiederum stellen ein Gedeck für den Verstorbenen auf den Tisch, so, als ob er noch leben würde. Dabei ist dieses fast zwanghafte Suchen und Festhalten nicht nur Verdrängung, sondern es werden Aspekte, Eigenschaften und Gewohnheiten des Verstorbenen ins eigene Leben, in die bevorstehende Zukunft herübergerettet.

Nicht selten übernehmen dabei Hinterbliebene Angewohnheiten des Verstorbenen, die nicht ihre eigenen sind und eigentlich gar nicht zu ihrer Lebensphilosophie oder ihrem Lebensstil gehören. Dieses Retten alter Gewohnheiten kann zwanghaft werden, das Leben bekommt im schlimmsten Fall einen musealen Charakter. Dennoch kann es die Chance beinhalten, sich mit dem Menschen ein letztes Mal intensiv auseinander zu setzen.

Innere Dialoge mit dem Verstorbenen, die stets unverändert bleiben, die keine Entwicklung zulassen, haben die Konsequenz, dass man an den Verstorbenen ein Leben lang gebunden bleibt und keinen neuen Beziehungen eine Chance lässt.

Versucht man jedoch, durch Zwiegespräche den verschiedensten Aspekten des Partners oder der Partnerschaft Raum zu verschaffen, können diese ein wichtiger Teil des Hinterbliebenen bleiben, ohne dass dieser sich einer neuen Ausrichtung seines Leben verschließt. Diese Trauerphase kann Wochen bis Jahre dauern. Es ist möglich, dass diese Zeitspanne immer wieder von Phasen der Verzweiflung, der Depression oder der Apathie begleitet wird. Wichtig ist, dass der Trauernde in dieser Zeit nicht gedrängt wird, Zwiegespräche aufzugeben oder alte Geschichten ständig wieder zu erzählen.

In der 3. Phase kommt es auch oft zu einem Rückfall in kindliche Verhaltensmuster. In dieser Phase ist eine enorme Emotionalität vorherrschend, die zu übermäßig anhänglichem, depressivem oder aggressivem Verhalten führt – ein Wechselbad der Gefühle.

Nach Allem was ich über Trauer und Trauerbewältigung gelesen habe, stufe ich die 3. Phase als die „gefährlichste Phase“ ein: der Trauernde befindet sich in einem extrem labilen Zustand – und häufig bleibt er genau hier hängen, was fatale Folgen für die Psyche und das eigene weitere Leben haben kann.

  1. Trauerphase: Aufbruch und Neubeginn

Ist der Trauernde in einer Phase angelangt, in der der Verstorbene nicht mehr all seine Sinne, seine Gedanken und seine Phantasien beansprucht, kann der letzte Trauerabschnitt beginnen. Vielfach ist der Verstorbene eine innere Figur, ein innerer Begleiter geworden, der sich auch verändern darf. Der Trauernde trägt den Verstorbenen in sich und kann sich nun endlich wieder mit seinem Leben auseinander setzen, seinen Interessen wieder mehr Raum zugestehen. Wenn der Trauernde jedoch zu stark in die Rolle des inneren Begleiters schlüpft, tut und denkt, was der Verstorbene getan oder gedacht hätte, ohne seine eigenen Wünsche oder Bedürfnisse zu berücksichtigen, kann das krankmachende Folgen haben. Der Verstorbene liegt dann wie eine zweite Persönlichkeit über der Persönlichkeit des Trauernden. Damit ist es für den Trauernden unmöglich, einen neuen Bezug zu sich selbst und zur Welt zu schaffen.

In dieser letzten Trauerphase hat der Hinterbliebene die Möglichkeit zu erkennen, dass der Verlust gleichzeitig  die große Chance beinhaltet, sich selbst neu zu überdenken und sein Leben neu auszurichten. In vielen Partnerschaften geht das „Ich“ im „Wir“ auf oder unter. Träume, Ziele und Wünsche wurden der Gemeinsamkeit untergeordnet. Nun bietet das Leben die Chance, sich selbst wieder neu zu entdecken, ohne den Verstorbenen zu vergessen. Dennoch kann es in dieser Phase immer wieder zu Rückfällen kommen. Allerdings meist nicht mehr so intensiv, wie in vorangegangenen Trauerphasen.

Wenn der Trauernde erkennen kann, dass der Tod ihm nicht nur sehr viel genommen, sondern auch an Entwicklungsmöglichkeiten sehr viel gebracht hat, kann er sich mit ihm endgültig aussöhnen.

Die Erinnerungen an den Toten bleiben jedoch wichtig, damit die Beziehung zu ihm bestehen bleibt und in die eigene Psyche integriert werden kann.

Quelle: Celesta (teilweise abgeändert und ergänzt)